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Stau 2014

Hurra. Stolz verkündet der ADAC den Stauerfolg des Vorjahres. Im Jahr 2014 gab es auf den deutschen Autobahnen 475.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 960.000 Kilometern – das ist neuer Rekord in unserer Staubilanz.

Zum ADAC

Unsere aktuelle Auswertung verdeutlicht, dass das deutsche Autobahnnetz an seine Kapazitätsgrenzen stößt und erheblicher Handlungsbedarf bei der Engpassbeseitigung besteht.

Da hat der ADAC eigentlich recht, nur bei der Engpassbeseitigung, da hat der Automobilclub erstauliche Vorstellungen.

Eigentlich ist der Stau viel länger als der Weg des Laserstrahls zum Mond und zurück. Aber so ist es noch irgendwie darstellbar.

Stellen wir uns lieder unser Traumumfeld vor.

Leere Straßen, frisches Grün und vielleicht auch ein paar Schäfchen. Mitten in der Großstadt natürlich.

Die Physikerin verdreht die Augen. Meine Herren, das geht schon mal gar nicht. Dort wo ein Körper ist, da kann kein zweiter sein. Leere Straßen in der Großstadt. So ein Unsinn.

Na dann brauchen wir bessere Autos, ja Auto-nome. Fliegende Untertassen vielleicht. Kluugel macht das schon. Das ist gut für unsere Zukunft - unsere Kinder. Ja, sie können dann ganz allein zur Schule fliegen - und zum Mond.

Ja, ja, sagt die Physikerin. Jedes dieser Dinger macht Dreck. Das wäre eine düstere Zukunft.

Zum Focus-Artikel

Da haben wir dann alle Unter-Tassen im Schrank und Schränke bis zu den Wolken.

Meine Damen und Herren, der Platz ist beschränkt, merkelt sie an.

Zum Spiegel-Artikel

Macht mal die Augen auf.

Oh je, wo sind wir? Mitten in Berlin?

Ja, hier gibt es ein kurzes Stück Radweg, dass eigentlich traumhaft ist. Eigentlich, denn es beginnt in der Hölle und endet im Irgendwo. Es ist (fast) immer leer. Nur gelegentlich, da laufen die Schafe hier lang.

Zwischen der extrem stark befahrenen Landsberger Allee und der ebenso belasteten Rhienstraße.

So könnte es aussehen, wenn ... . Wenn eine Fahrradstraße von A nach B führen würde. Also beispielsweise vom Alex bis zum Bezirk Marzahn-Hellersdorf.

Dort wohnen rund 250.000 Mitbürger. Und sie fahren entweder mit dem PKW in die Innenstadt oder nutzen S- und U-Bahn. Nur sechs Prozent ihrer Wege legen sie mit dem Rad zurück, denn es gibt keine durchgehend einladende Fahrrad-Route zur Mitte Berlins.

Fahrräder sind Teil der Lösung, nicht des Problems.

Liebe ADACler, wenn wir Straßen hätten, auf denen Radfahrer konfliktarm vom Start zum Ziel fahren könnten, dann hättet ihr auch bessere Luft im Auto. Ihr brauchtet nicht so lange an der Ampel warten und so mancher Parkplatz könnte regelmäßig gekehrt werden.

Gemeinsam sollten wir uns eine sinnvolle Infrastruktur wünschen.

Nur Träumer meinen, dass hier autonom fliegende Untertassen - ganz ohne Nebenwirkungen - konfliktfrei die Großstadt mobilisieren.

Leistungswille ist gefragt.

Update 27.02.2015

Der Fahrradklimatest ist wohl auch in der CDU ausgewertet worden.

Richtig, der Senat ist in der Pflicht.

Die Unfallbilanz der Polizei für 2014 war Anlass für TV Berlin Moderator Peter Brinkmann und Gereon Asmuth von der taz den Verkehrsexperten der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Gelbhaar, zum Thema Berlin braucht besseres Radnetzeinzuladen.

Hier fallen beispielsweise folgende Sätze: Wir wollen das als Netz haben. Bei jedem anderen Verkehrsmittel ist es unstrittig, dass man in Netzen denkt.

Eine Studie zur Realisierbarkeit eines Berliner Fahrradstraßennetzes hatten die Grünen bereits 2014 vorgestellt.

Aktualisierung 28.03.2016

Schade eigentlich, dass sich Stefan Gelbhaar nicht erkennbar für ein Berliner Fahrradstraßennetz begeistern konnte.

Hätte die Opposition im Abgeordnetenhaus den Senat kontrolliert und die Umsetzung der Radverkehrsstrategie lautstark eingefordert, bräuchte die Grüne FraktionBerlin jetzt nicht von ihrer Untätigkeit ablenken.

Der Radverkehr wächst in Berlin - nicht wegen sondern trotz der verschlafenen Politik der Opposition. Die Aufmerksamkeit für einen möglichen Volksentscheid Fahrrad verdeutlicht das Vakuum.