Critical-Mass-Berlin.de
Home > Themen > Schulterblick

Schulterblick

Freitag, drei Tage vor ...

Es war Freitag (14.02.2014) als ich diesen verblüffenden Spruch auf der Leuchttafel entdecke. Was soll denn das? Sollen diese Tafeln jetzt an allen Kreuzungen und Einmündungen mit Radweg-Zwang aufgestellt werden? Aber immerhin - da hat jemand alte Fahrschulweisheiten wiederentdeckt.

Samstag, zwei Tage vor ...

Am Samstag bemerke ich eine Leuchttafel in Berlin-Biesdorf auf der B1. Gut - denke ich. Man freut sich ja auch über Kleinigkeiten. Also greife ich zur Kamera. Aber die Freude wird mir noch im Halse stecken bleiben.

Diese Tafel - direkt vor dem Bezirksamt in Friedrichshain - ist schon makaber, aber es wird noch schlimmer kommen.

Sonntag, einen Tag vor ...

Am Sonntag unweit des Polizeipräsidiums ...

... entdecke ich sogar noch eine zweite Tafeln für die Gegenrichtung.

In einer aktuellen Studie der Unfallforschung der Versicherer wurde festgestellt, dass der Schulterblick oft nicht erfolgt.

Grund dafür könnte sein, dass moderne PKWs häufig den Ausblick einschränken und die Fahrer mit einem Schulterblick lediglich feststellen können, ob die B- und C-Säulen noch vorhanden sind. Mercedes-Benz veranschaulicht dies am Beispiel der A-Klasse.

Montag, am Tag als ...

Aber nun komme ich zu den Bildern vom gestrigen Montag (17.02.2014). Die Stralauer Allee - fünf tadellose Fahrspuren und eine Buckelpiste für das Rad- und Fußvolk.

Auch hier hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt eine Leuchttafel aufstellen lassen und kurz danach den Radweg durch das Backstein-Bauwerk geführt.

Und dann ...

Pressemeldung der Polizei # 0412: Bei einem Verkehrsunfall heute Mittag gegen 12.40 Uhr in Friedrichshain erlitt eine Radlerin lebensgefährliche Verletzungen.

Im Tagesspiegel verwundert mich der Hinweis auf eine Benutzungspflicht. Am Abend konnte ich die blauen Schilder nicht mehr entdecken. Sollten sie wenige Stunden nach dem Unfall bereits entfernt worden sein?

Es stellt sich auch die Frage, warum die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt diesen bekannten Unfallschwerpunkt nicht beseitigen lies. Der Polizeipräsident wies auf diesen Unfallschwerpunkt im Februar 2010 hin.

Am 11.02.2011 erneut.

Am 10.02.2012.

Am 06.03.2013 ebenfalls.

Bereits seit Monaten veröffentlicht die Senatsverwaltung dringende Hinweise im Internet.

Will man solange warten bis ein Kind unter die Räder kommt?

Die Berliner Zeitung erweckt den Eindruck, als wolle sie das Opfer noch verhöhnen. Liebe Redakteure, das sollte nicht passieren.

Steht ein Radfahrer an der Haltelinie, dann wird er vermutlich nur einen der beiden PKWs bemerken.

Zwischen Ampel und Brückenpfeiler ist der Rechtsabbieger kaum zu sehen. Der Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker) auch nicht!

Von diesem langen gelben Bus ist nur deshalb etwas zu erkennen, weil der erfahrene BVG-Profi bis dicht an die Haltelinie fährt. Welche Richtung wird er einschlagen?

Wann wird sich hier etwas ändern?

Dienstag, einen Tag später

Bald, könnte man meinen, denn auf Tempo setzt die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katherina Reiche.

Frau Reiche, das ist ein gutes Zeichen. Jetzt fehlt nur noch das Wunder. ;-) Auf jeden Fall wundere ich mich schon über den wohltuend frischen Wind aus der Invalidenstraße.

Sollte das nicht auch den sportlichen Ehrgeiz am Köllnischen Park, dem Sitz der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, wecken? Die Gesetzlichen Vorgaben sind eindeutig. Erstklassiges Fachwissen bietet bspw. die Unfallforschung der Versicherer. Setzt euch zusammen, seht euch in die Augen und entwickelt eine professionelle Lösung. Und dann: seht in den Spiegel! Wir wollen stolz auf euch sein.

Donnerstag, drei Tage später

Als hoffnungsvoll bezeichnete Staatssekretär Christian Gaebler die Verkehrssicherheitsbilanz 2013 angesichts der Rückgänge von Unfallopfern bei vielen Risikogruppen wie z.B. bei Kindern und Senioren, Radfahrenden und zu Fuß Gehenden. Zur Stabilisierung einer auch langfristig positiven Entwicklung soll das am 14. Januar vom Senat beschlossene neue Verkehrssicherheitsprogramm "Berlin Sicher Mobil 2020" beitragen. Es hat zum Ziel bis Ende 2020 die Anzahl der auf Berliner Straßen bei Verkehrsunfällen getöteten und schwerverletzten Menschen gegenüber dem Ausgangsjahr 2011 um 30% zu verringern.

Im Jahr 2010 wurden sechs Rad Fahrende bei Unfällen getötet und 515 schwer verletzt. Im Jahr 2011 waren es elf Todesopfer und 655 Schwerverletzte. Warum wurde 2011 als Ausgangsjahr gewählt?

Freitag, vier Tage später

Im Rad-Spannerei blog wird über einen Unfall vom Vortag berichtet, der bereits am 12. November im Meldeportal der der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt beschrieben wurde. Hätte dieser Unfall vermieden werden müssen?

Montag, eine Woche später

Die Markierungen auf der Fahrbahn verblassen.
Ein jonglierender Gaukler sorgt für Ablenkung an der Haltelinie.

Donnerstag, 27.02.2014

Ich entdecke auf der Website von Katherina Reiche ein handfestes Statement. Es bleibt die Frage nach einem konkreten Zeitplan offen.

Mittwoch, 05.03.2014

Kurz und knackig die Antwort:

Sehr geehrter Herr Paschke,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Derzeit führt die Bundesanstalt für Straßenwesen das Forschungsprojekt "Toter Winkel – Konflikt zwischen rechtsabbiegenden Lkw und geradeausfahrendem Radverkehr" durch. Aus den Ergebnissen der Studie werden wir Schlüsse ziehen für Warnsysteme in LKWs oder bauliche Veränderungen an Straßenkreuzungen. Dies soll noch im Frühjahr erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Katherina Reiche

Samstag, 08.03.2014

Die Wirtschaftswoche berichtet, dass das Land Berlin 50 Millionen Euro, die ihm 2013 für Sanierung und Ausbau von Fernstraßen zustanden, an den Bund zurückgab. Der Unfall ereignete sich auf der Bundesstraße 96a.

Montag, 10.03.2014

Aus der Pressemeldung der Polizei # 580

Schwere Verletzungen erlitt eine Radfahrerin heute Mittag in Charlottenburg bei einem Zusammenstoß mit einem Lkw. Gegen 12.40 Uhr fuhr die 61-jährige Radfahrerin auf der Schloßstraße in Richtung Kaiserdamm. An der Kreuzung Schloß-/Neufertstraße wurde sie von dem Laster erfasst, der in gleicher Richtung unterwegs war und nach rechts in die Neufertstraße abbog.

Freitag, 21.03.2014

In Sichtweite des Deutschen Bunndestages erinnert nun dieses Geisterrad an den menschenunwürdigen Tod eines 45jährigen Liegeradfahrers.

Dienstag, 02.09.2014

Im November 1993 wurde an der University of Cambridge die erste Webcam installiert und die ganze Internet-Gemeinde konnte jederzeit den Füllstand einer dortigen Kaffeemaschine (Wikipedia) begutachten. Aus jedem toten Winkel der Welt.

Im September 2014, nur 21 Jahre später, ist es nun soweit, so berichtet Die Welt. Auch die Lenker zukünftiger Mercedes-LKW sollen bis in den "Toten Winkel" blicken dürfen. Bald schon, so vermutet man, werden sie gewarnt, wenn sich selbstmörderische Kleinradler in der Toten-Winkel-Falle befinden.

Hoffentlich fuktioniert das System auch dann verlässlich, wenn die Stadtplaner die Radverkehrsanlagen wirkungsvoll, wie im oben genannten Fall, hinter "Sichtschutzwänden" verstecken.

Mittwoch, 01. Oktober 2014

Heute erreicht mich eine E-Mail, die Hoffnung macht. Gern hätten wir es etwas schneller, aber es macht mich zuversichtlich, dass die Mühlen zuverlässig weiter mahlen.

Sehr geehrter Herr Paschke,

im BMVI wird auch weiterhin daran gearbeitet. Bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) haben wir ein Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Testverfahrens für Abbiegeassistenten für Lkw beauftragt. Die Eckpunkte und das Konzept für das Testverfahren wurden zwischenzeitlich fertiggestellt und sollen in Kürze im BMVI erstmals erörtert werden. Die BASt hat bereits mit der Umsetzung der notwendigen praktischen Tests begonnen.

Ergänzend kann ich Ihnen mitteilen, dass Deutschland bei der UN-Wirtschaftskommission in Genf (UNECE) einen Vorschlag eingebracht hat, der die Ausrüstung von Lastkraftwagen, Anhängern und Bussen mit blinkenden Seitenmarkierungsleuchten vorsieht. Der Vorschlag wird im Oktober 2014 beraten und soll dazu beitragen, dass insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam gemacht werden, wenn ein Lkw abbiegt.

Mit freundlichen Grüßen

Katherina Reiche

Professor Seeck von der Bundesanstalt für Straßenwesen konnten zwischenzeitlich bereits bestätigen, dass in der Abteilung Fahrzeugtechnik an diesem Thema gearbeitet wir. Er erweckte den Eindruck, das ihm das auch persönlich größe Freude bereitet. Vielen Dank Frau Reiche, sie machen uns Hoffnung. Viel Erfolg wünschen wir Prof. Seeck.

Mittwoch, 18.02.2015, ein Jahr danach

Gestern vor einem Jahr war es. Es war schlimm.

18.02.15, 15:26 Uhr: Was hat sich verändert?

Es sieht so aus, als hätte sich lediglich die Zahl der Opfer geändert. Sie ist deutlich angestiegen. Sehr deutlich.

An dieser Stelle lag sie. Genau dort wo das Vorderrad. Nein, nicht ...

Es muss schlimm gewesen sein. Gequetscht von einem LKW. Sekunden können endlos lang sein. Und dann die Tage, Wochen, Monate. Das Leben danach.

Es darf sich nicht wiederholen!

Aber, dieses Land, dieser Senat, dieses Abgeordnetenhaus. Nein nicht das Haus. Jeder Abgeordnete trägt mit an der Schuld.

Hier warten bereits die nächsten Kandidaten.

Ihm ist nicht bewusst, dass man ihn aus den wartenden Autos nicht sehen kann.

Und im Dunkel. Da naht schon ein weiterer Kandidat.

Donnerstag, 12.03.2015

Sorgen machen sich Spediteure. Die Fahrer sollen mehr Sicherheit bekommen.

Jedes Schulkind kann mit seiner Handy-Kamera in jeden Winkel blicken, die Amerikanische Regierung sogar die Tötung ihrer Feinde am Ende der Welt life beobachten. Und was bekommen unsere LKW-Fahrer zu sehen? Den Toten Winkel.

Jetzt sollen auch die LKW-Fahrer hinsehen dürfen, denn sie müssen täglich bis zu zehn Mal scharf bremsen. In London, so wird berichtet, dürfen Tote-Winkel-Laster gar nicht mehr in die Innenstadt.

Einfache Spiegel an den Kreuzungen. Sichere LKW-Routen in den Navigations-Geräten würden viele Schrecksekunden und auch manche Todesopfer vermeiden.

Das ist Maut-Minister, Alexander Dobrindt, jedoch alles zu billig. Einfache Spiegel für mehr Rücksicht.

Er hat sich beraten lassen. Vielleicht sogar direkt bei den Geissens, denn RTL2-Star Robert Geiss weiß es genau. Je mehr wir verbrauchen, desto mehr sparen wir.

Nun verkündet der Minister, was belebt: Wachstum. Wachstum belebt. Wachstum belebt Personen- und ... . Unfallopfer?

Der Straßengüterverkehr wird um rund 2 % beim Aufkommen (Tonnen) sowie um 2,8 % bei der Verkehrsleistung (Tonnenkilometer) zunehmen.

Ein Schelm - wer Böses dabei denkt?

Karfreitag, 03. April 2015

Karfreitag - ein Tag um über Menschenopfer nachzudenken.

So berichtet die Süddeutsche Zeitung: "Während die Unfallzahlen insgesamt in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken sind, beobachtet die ADAC-Unfallforschung einen Anstieg der Pkw- und Zweiradunfälle aufgrund von Sichtbehinderungen im Fahrzeug."

Oh, wer hätte das erwartet. Der BMW X5 ist nicht wesentlich schlechter als der Dacia Logan MCV und die A-Klasse von Mercedes ist gar nicht das schlimmste Beispiel..

Ja, der ADAC testet die Rundumsicht und geht nicht gegen die stetige Verschlechterung vor. Jeder für sich sollte vielleicht gelegentlich darüber nachdenken, ob diese Menschenopfer gewollt, geduldet, unvermeidlich, notwendig oder unrecht sind.

Montag, 13. April 2015

Deutschlandradio Kultur berichtet über die Fahrradkultur in unseren Nachbarländern.