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Doppelstockparker

Fahrzeuge sind eigentlich Stehzeuge und das in zunehmenden Maße, denn der moderne ökologisch lenkende Erfolgsmensch bewegt sich heutzutage multimodal. Neben dem SUV (die Kinder müssen morgens in die Schule) verfügt er selbstverständlich über mehrere Fahrräder. Das Weltreiserad macht Eindruck bei der Parteiversammlung. Zum Yoga geht es nur mit dem Holland-Rad und das Rennrad ist für den sonntäglichen Kirchgang ideal.

Für die weiten Strecken nutzt der multimodale Stadtnomade die öffentliche Umwelt auf Monats-Karte und seine Multis.

Mulis?

MulTis, nicht Mulis. Das sind vergammelte Schrotträder, die der clevere Stadt-Faulpelz großzügig an allen häufig frequentierten S-/U-Bahnhöfen stationiert und dann für die jeweils letzte Meile nutzt.

Kiek mal, sacht der Berliner, wenn da jetze noch drei, vier andere Trampel ihr Rad roff schmeißen, denn stört der blöde Poller jar nich mehr.

Jo, wenn der Bub ne Umweltkarte hat, dann is dat wohl nich asozial., sagt der Neuberliner, Jo, allet watt juut for de Umwelt is, jo, jo, jo.

Aber dann, dann kommt ein Held des Wegs: Sie müssen verstehen, Radfahrer sind bessere Menschen. Autos parken auf Radwegen und überhaupt. - Nein, kein aber. Jetzt rede ich. Radfahren ist Chefsache.

- Schnitt -

Axel Springer: Einschließlich der Bild-Zeitung haben wir den Deutschen keine Hoffnungen eingeredet, sondern wir haben ihnen vielleicht Ziele gezeigt, Ziele, die noch nicht erreichbar sind, und leidenschaftliche Menschen formulieren manchmal leidenschaftlich.

- Schnitt -

Radfahrer sind bessere Menschen? Quatsch - dann müsste ich ja auch einer sein.

Mehr Freiraum für alle. Darum geht es.

- Schnitt, hatte ich gesagt - Schnitt -

Was sagt das BMBF?

Die Tests sind sehr aufwendig. Sie müssen in speziell gesicherten Spezialkäfigen im Untergrund unseres Hauses durchgeführt werden. Für eine abschließende Beurteilung ist es noch zu früh. ...

- Schnitt -

Was sagt Berlin?

Berlin: Immer mehr Berliner nutzen das Rad, um in der Stadt voranzukommen. Die Senatsverwaltung fördert diese Entwicklung: Wir bauen neue Wege für Radfahrer und bieten viele andere nützliche Hilfen für Radfahrer.

Ra, Ra, Radverkehrsstrategie.

Aus der Lobby: Handeln statt Schönreden.

Bernau hat eins. Wir brauchen mehr!, meint der ADFC Berlin

Steglitz: Ja, mit Video-Überwachung. Aber wir, wir machen das noch besser - wir machen das vollautomatisch, so wie bei der Modelleisenbahn. Jetzt brauchen wir nur noch einen Idioten, der den Betreiber spielen will.

...

- Schnitt - Ab nach Berlin-Pankow, dort gibt es neue Doppelstockparker.

Kleine Schritte, Herr Müller, aber nicht nur schön reden. Handeln, sagt der ADFC, wirklich mal was umsetzen.

Was ist denn das? Das muss ich mir gleich mal ansehen.

Ha, ha, ha. Ein Parkhaus, wie in Bernau, aber ohne Haus. Ha, ha.

Und unter der Brücke, da sind die Räder dann etwas weniger obdachlos?

Oma, sieh mal: So viele Fahrräder passen auf einen Auto-Parkplatz.

Ja, mein Junge, da habe ich doch schon mal Ulles RixBox beim Parking Day 2014 gesehen. Das ist doch die gleiche Idee, nur in teuer.

Weist Du, die Sache hat nur einen Haken. Die Räder stehen hier Tag und Nacht.

Tagaus tagein stehen sie hier. Niemand kümmert sich darum - bis sie zerfallen sind.

Da kann man wohl nichts dagegen tun. Vor einem Jahr hatte der Ole Kreins von der SPD beim Senat angefragt.

Wir, vom ADFC, haben ja auch richtige Parkhäuser gefordert - mit Service-Einrichtungen.

Jedenfalls werden die neuen Ständer auch bald alle mit vergammelten Multis belegt sein. Da wird der ADFC wohl recht haben.

Auch am Bahnhof Lichtenberg stehen nachts luft- und radlos Multis rum.

Zwei Monate später liegt der radlose Schrott noch an der selben Stelle.

Nach einem halben Jahr. Zwischen den beiden roten Rädern.

Ein Jahr später ist immer noch Luft im Reifen.

Dort wurden jetzt diese grünen Parkboxen aufgestellt. Da muss man dann eine Smartphone-App haben und auch für jede Stunde bezahlen.

Das sieht doch viel schöner aus und gut geschützt sind die Räder auch.

Mensch Oma, Du kennst Dich ja richtig gut aus.

Ja, mein Junge, ich gehöhre noch lange nicht zum alten Eisen - wie diese Rosthaufen dort. Ach, wenn ich blos noch, wie früher, mit meinem rot-schwarzen Rad durch die Stadt brausen könnte. Na ja, jetzt habe ich rot-schwarze Krücken. So ist das.

Weist Du Junge, man muß ja sein Fahrrad nicht unbedingt auf die Fensterbank stellen, aber man darf es doch auch nicht einfach am Bahnhof verkommen lassen.