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Betriebsweg A113

Radschnellwege soll die Stadt bekommen, so sagt man. Hoho.

Beeindruckend sieht sie aus, die Karte, die Zwischenberichte zu den Planungen von Radschnellwegen illustriert.

Nun schauen wir genauer hin.

Diese bunten Linien sind Vorschläge, die geprüft wurden. Lediglich 13 (die grünen) dieser Strecken sollen nun - im Laufe der nächsten Jahre (!) - auf Machbarkeit untersucht werden. Der Betriebsweg A113 steht dabei auf Position 1.

Hier nun Fotos vom derzeitigen Zustand.

Rund sieben Kilometer - so steht es auf dem Asphalt. Sieben Kilometer kreuzungsfrei, mit ordentlichen Belag und in ausreichender Breite. Skater sagen Ostkrone zu diesem Teilstück des Berliner Mauerwegs.

Es beginnt im Irgendwo von Neukölln, in einer unbekannten Straße, benannt nach dem letzten Todesopfer an der Berliner Mauer, Chris Gueffroy.

An Chris Gueffroy erinnert heute eine Gedenksäule, die anlässlich seines 35. Geburtstages im Jahr 2003 am Britzer Zweigkanal in Berlin-Treptow errichtet wurde.

Auf dem Mauerweg kann man die Dimension der Teilung Deutschlands erfahren. Er ist ca. 160 km lang.

Michael Cramer und andere Politiker von Bündnis 90/Die Grünen Berlin organisieren seit 2001 alljährlich Mauerstreifzüge um die Stadt.

Kommen wir nun zu der Karte mit den bunten Linien und erinnern wir uns, dass lediglich die grünen Linien relevant sind. Laut Hitliste der Experten nehmen die Linien 23, 27 und 4 die ersten drei Plätze ein.

Auf der Karte ist der Betriebsweg A113 mit Nr. 23 gekennzeichnet.

Er beginnt oder endet also hier an der Autobahnbrücke.

Tja, ein Blick auf die OpenStreetMap zeigt: Wasser.

Eine Stimme aus dem Internet: Das ist doch kein Problem. Du brauchst eine Wireless Bridge.

Schöen Dank auch. Die bunte Linie Nr. 4 ist wohl nicht so einfach zu erreichen.

Das ist letztlich auch nicht so schlimm, denn der Betriebsweg A100 (Linie 4) verbindet das Autobahndreieck Neukölln mit dem vorläufigen Ende der A100 an der Elsenbrücke.

Freizeitradlern ist zwischen Spree und dieser Wasserstraßenkreuzung der Mauerweg zu empfehlen und Pendler werden sowiso die deutlich (ca. 8,5 km statt 12 km) kürzere Gerade zwischen A (Adlershof) und B (ElsenBrücke) über Kiefholzstraße, Südostallee und Groß-Berliner Damm benutzen.

Dabei ist der Fernsehturm doch schon so gut zu sehen.

Mit der Sonntags-CM hatten wir hier mal ein Päuschen eingelegt. Da konnten wir feststellen, dass dieser Weg trotzdem recht gut genutzt wird. An einem Sonntagnachmittag bei Sonnenschein.

Hinter der neu errichteten Mauer befindet sich die Autobahn.

So erklärt sich auch die romantische Bezeichnung: Betriebsweg A113.

Und auch die kreuzungsfreie Streckenführung zwischen Autobahn und Teltow-Kanal.

Viel ist hier nicht los - an normalen Tagen..

Einmal im Jahr treffen sich hunderte Ultraläufer aus aller Welt, um die 100 Meilen Berlin - ganz ohne Sprit oder Strom - zu erlaufen.

Freizeitnutzung überwiegt hier und ein entgegenkommender vermeintlicher Alltagsradler löst schon mal Jubel aus.

Ja klar, da gibt es dann noch die Mauerstreifzüge mit Michael Cramer.

In der Dunkelheit bin ich hier noch nie einem anderen Radler begegnet. Auch nicht in den winterlichen Nachmittagsstunden.

Eine bedarfsorientierte Radnetz-Planung scheint wohl auch nicht beabsichtigt zu sein.

Die Experten errechneten, dass sich mit dem Label Radschnellweg die Fahrzeit zwischen Neukölln und Adlershof um 14 Minuten verkürzen würde.

Wie soll das gehen? Ampeln gibt es hier nicht und der Fahrbahnbelag ist gut. Ich befürchte, dass sie die Bänke absägen wollen um gemütliche Pausen am Wasser zu reduzieren.

Oder die sonntäglichen Spaziergänger und Läufer verbieten. Aber die stören doch hier sowiso nicht.

Ja man könnte gar - das wird es wohl sein - Märchen erzählen wollen. Von künstlich aufgeblasenen Heldentaten.

Aber Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul?

Heldentaten von der Erfindung einer nagelneuen Fahrrad-Autobahn.

Nee Freunde. Damals, als der Autobahn-Brücke eine zusätzliche Radspur angeplant wurde, damals war das durchaus heldenhaft.

Damals, als grüne Lokalpolitiker mit Weitsicht und Ausdauer neue Wege gingen und fuhren. Neue Ziele auf den alten Kolonnenwegen anstrebten. Damals wurde an der Zeit gedreht.

Damals, Michael.

Heute differieren die Farben Grün zunehmend in ihrer Ernsthaftigkeit.

Wer für die Umbenennung dieses Vorbildes für andere Radschnellwege mehrere Jahre ankündigt, der kann doch wohl ernsthaft nicht ernst genommen werden.

Bleibt die Frage: Dürfen wir uns nun wirklich auf abgesägte Bänke freuen?