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Beratungskompetenz?

"Ansonsten is det, is der Dynamo noch weiterhin vorgeschrieben."

Ja, so hören sie sich an, die Sprüche schlecht ausgebildeter Polizisten. Aber welcher Komiker hat den Mut, diese so realitätsnah darzustellen? Das weckt mein Interesse. Ich sehe hin und registriere, dass es sich um die Sendung "Harry hilft" auf TV Berlin handelt. Das muß ich mir nachher mal ansehen.

Pressemeldung der Polizei # 0584

Beginn der Fahrradsaison – Polizei kontrolliert und berät

Radfahrer werden häufig durch Autofahrer beim Abbiegen in Seitenstraßen übersehen und gefährdet, lebensbedrohliche Situationen entstehen. Zu Beginn der Fahrradsaison nimmt sich die Polizei Berlin dieses Themas an und richtet am Donnerstag, den 13. März 2014, eine Kontrollstelle an der Einmündung der Bachstraße in die Straße des 17. Juni ein. Zwischen 12 und 16 Uhr werden Autofahrer und Fahrradfahrer kontrolliert und gegebenenfalls auf ihr Fehlverhalten hingewiesen. Ziel der Aktion ist es, ein besseres Miteinander aller Verkehrsteilnehmer zu fördern.

"Das klingt doch gar nicht so schlecht" wird sich wohl Harry von TV Berlin gedacht haben und dokumentierte die Beratungsqualität eines Vier-Sterne-Experten der Polizeidirektion 2.

Dieser realsatirische Auftritt wäre vermeidbar gewesen.

Unter dem Titel: "Fahrrad fahren kann jeder" gibt die Berliner Polizei leicht verständliche "Hinweise, die speziell für Fahrrad Fahrende von Bedeutung sind".

Führungskräfte der Polizei, die wirklich das Ziel haben "ein besseres Miteinander aller Verkehrsteilnehmer zu fördern", sollten es durchaus auch mal mit einem Blick in die StVZO versuchen.

Mit Stolz wird aus dem Polizeipräsidium vermeldet: "Die gestrige „Aktion Toter Winkel“ der Polizeidirektion 2 in Charlottenburg wurde durch ein großes Medieninteresse begleitet."

Oh je.

Einen Monat später bietet sich die Gelegenheit zu einem Selbstversuch.

Pressemeldung der Polizei # 0916 vom 16.04.2014

Kontrolle und Beratung von Radfahrern und Kraftfahrzeugführern

Um einen Rückgang schwerer Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern zu erreichen, nimmt die Polizei regelmäßig Schwerpunkteinsätze vor. Eine große Kontrollstelle richtet die Polizeidirektion 2 deshalb am Donnerstag, den 17. April 2014, am Fehrbelliner Platz, in 10707 Berlin, ein. In der Zeit von 10:00 bis 14:00 Uhr werden sowohl Kraftfahrzeugführer als auch Radfahrer kontrolliert und auf etwaiges Fehlverhalten hingewiesen. Darüber hinaus steht ein Informationsstand zur Verfügung, bei dem insbesondere über die Gefahren des „Toten Winkels“ informiert wird.

Ich also hin zum Fehrbelliner Platz.

Es ist der Platz, an dem die sieben Schwaben (Wikipedia) standfest und ausdauernd dem Kampf mit einem Untier - das sich als Hase herausstellt - entgegen blicken.

Zahl der Kontrolleure und Berater ist deutlich größer als gedacht.

Standfest und ausdauernd. Das unfreiwillige Beratungsopfer wartet geduldig. Es sieht aus wie eine Zeitstrafe.

Hinter dem Polizisten, der sich tapfer in die Feinstaubwolke stellt, entdecke ich die Beratungsmobile für freiwillige Zuhörer.

Ich: "Wie ist denn das mit diesen Lampen, die mit einem Akku betrieben werden?"

Polizist: "Die Dynamopflicht wurde abgeschafft. Aber was nicht abgeschafft wurde: Die Lampen müssen trotzdem am Fahrrad angebracht sein, aber sie dürfen halt Akku-betrieben sein."

Ich: "Das habe ich jedoch kürzlich im Fernsehen noch anders gehört."

Polizist: "Wie denn?"

Ich: "Das ein Dynamo immer noch Pflicht ist."

Polizist: "Nein."

Klare Antwort - Ehre gerettet!

Was können wir daraus lernen?

Gelegentlich sind auch fesch uniformierte Vier-Sterne-Berater schlecht informiert.